Der AVIATIK-Blog
Diese Reihe wird noch erweitert
Zentralflughafen Tempelhof
Durch das alte Gebäude des Berliner Flughafens Tempelhof gibt es Führungen, bei denen man auch auf das Dach
schauen kann. Der gewaltige Bogen des Daches ist allein schon eindrucksvoll. Das Gebäuede gilt immer noch als
eines der größten der Welt - sicher aber als größtes in Europa.
Der Flughafen wurde 1935 für 5 Millionen Passagiere pro Jahr von Ernst Sagebil geplant. Der alte Flughafen lag
rechts vom weißen Radarturm im Hintergrund. Er wurde erst nach dem Krieg abgerisssen. Unter dem riesigen
Gebäude befinden sich zwei Bahnhöfe der Berliner S-Bahn und ein Bahnhof für Fernbahnen. Das Dach, welches
hier zu sehen ist, war als Tribüne für mehr als 100000 Zuschauer für Flugschauen gedacht. Die Treppentürme für
die Besucher außen am Gebäude geben dem Bau einen eigenen Charakter. Die Ausgänge der Treppen zum Dach
sind jetzt vermauert.
Post 043
Frankreichs Luftwaffe und die Fw 190
Nach der Befreiung Frankreichs durch alliierte Truppen begann im November 1944 der Aufbau einer neuen
Luftstreitmacht durch General de Gaulle. Doch das Geld war knapp. Westliche Flugzeuge, wie die Spitfire oder
Mustang waren teuer. Günstig gab es Focke Wulf Fw 190 aus eroberten Beständen der deutschen Luftwaffe. So
wurden diese Flugzeuge, als AACr 6 und später als NC 900 bezeichnet, angeschafft. Doch französische Piloten
des berühmten Geschwaders Normandie-Niemen weigerten sich, mit den Maschinen Deutschlands zu fliegen.
Nach der Anschaffung von etwa 60 Fw 190, statt der geplanten 120 Stück, wurde das Programm eingestellt. Die
einzige überlebende Maschine steht heute im Luftfahrtmuseum Paris und ist als Maschine der Luftwaffe bemalt.
Post 041
Oben und unten: Die “französische” Focke Wulf Fw 190 A-8 im Museum Le
Bourget in Paris ist als Maschine von Pips Priller bemalt. Ob das Seitenruder
wirklich gelb war - da habe ich meine Zweifel.
Blick vom Nordende über den Dachbogen. Die Tribühne wurde nie mit
Sitzen ausgestattet. Der frühere Flughafen Tempelhof befand sich rechts
vom weißen Radarturm.
Focke Wulf Fw 200
Das Kampfgeschwader KG 40 setzte die “Condor” für Überwachungsflüge über dem Atlantik ein. Die aus dem
Verkehrsflugzeug abgeleitete Militärvariante war aber strukturell schwach und dem Kriegseinsatz kaum gewachsen.
Im Flughafen Tempelhof kann bei Führungen eine restaurierte Fw 200 besichtigt werden. Die Maschine war vor
Norwegen im Meer versunken und nach der Bergung von einem Team von Freiwilligen wieder hergestellt worden.
Dabei wurde auf den Anbau der Bodenwanne verzichtet, wohl um die Maschine wie ein Passagierflugzeug aussehen
zu lassen.
Post 042
Focke Wulf Fw 200 mit dem Kennzeichen F8+GH des KG 40.
(Zum Vergrößern klicken - nur für den privaten Gebrauch)
Das Nordende des Tempelhofer Gebäudes 1945 mit Trümmern der dort
reparierten Focke Wulf Fw 190.
Das Nordende des Tempelhofer Gebäudes 2026. Die Amerikaner setzten ihren
Flugsicherungstower oben auf. Unten sind noch die Tore der Feuerwehr zu sehen.
Einer der Besucherausgänge auf dem Dach mit vermauerten Türen.
Das Dach wird zur Zeit repariert, es ist stellenweise nicht mehr dicht.
Planung 1934: 5 Millionen Passagiere pro Jahr
Der neue Flughafen Berlins, BER, ist mit zwei Terminals angeblich für maximal 36 Millionen Passagiere pro Jahr
ausgelegt. Diese Anzahl wurde aber bis jetzt nicht annähernd erreicht. Es sind immer um die 25 Millionen pro Jahr. Das
geschäftigste Jahr bisher war 2023 mit circa 175 000 Flügen, dies sind etwa 480 Starts und Landungen am Tag.
Vergleichen wir dies einmal mit der Planung von 1934.
Da der Flugverkehr damals hauptsächlich nach Sichtflugbedingungen erfolgte, legen wir hier 10 Stunden Flugbetrieb
pro Tag im Jahresschnitt zu Grunde.
Flugzeugtyp
Passagiere
Starts/Landungen pro Tag
Intervall
Junkers Ju 52
15
913
alle 40 sec
Focke Wulf Fw 200 Condor
26
527
alle 69 sec
Junkers Ju 90
40
342
alle 105 sec
In den Tunneln unter dem Gebäude wurden bis zum Kriegsende Focke Wulf Fw 190
repariert. Nach Ende der Kämpfe räumte man die Reparaturmaschinen aufs Vorfeld.
Dort wurden sie teilweise vergraben (und bis heute nicht geborgen).
Kurze Zeit nutzten die Sowjets den Flughafen Tempelhof für ihre Schlachtflieger
während der Endkämpfe ums Stadzentrum. Iljuschins sind im Hintergrund hinter
den Fw 190-Wracks zu sehen.
Die restaurierte Condor während der Endphase der Arbeiten im Hangar des
Flughafens Tempelhof. Die Abdeckplanen dienten dem Schutz des Flugzeugs
vor den Verdauungsprodukten der unter dem Dach siedelnden Tauben.
Schnitt durch den Seeaufklärer Focke Wulf Fw 200.
(Zum Vergrößern klicken - nur für den privaten Gebrauch)